ALLMENDE

im Rahmen der Artist in Residence im Mittleren Feistritztal von STADT.LAND.FLUSS.KUNST zum Thema »poetische Orte« im Juli 2013

Fotos (c) Christian Strassegger 2013

 

Bevor der erste eingetragene Besitzer des Hauses Nr. 136 am Harriegel in Pischelsdorf einzog, war der Harriegel einst Allmende. Dieser Begriff ist in unseren Breiten in Vergessenheit geraten.

Das Wort Allmende leitet sich vom Wortstamm »gemein« ab, hieß ursprünglich »almeinde« und bezeichnet die Rechtsform des gemeinschaftlichen Eigentums. (vgl. Wikipedia, zuletzt aufgerufen am 27.7.2013).

Im Mittelalter konnten die Handwerker im Dorf Pischelsdorf nicht allein vom Handwerk überleben und hielten sich Vieh.

Dieses Vieh konnten sie auf der Allmende weiden lassen. Das als Allmende bezeichnete Gemeingut ist der gemeinschaftliche Besitz einer Gemeinschaft oder Gemeinde, oder aller einer Gemeinschaft zugehörigen Personen und ist mit klaren »Benutzungsregeln« ausgestattet.

 

Einerseits verweist der Schriftzug also auf die Vergangenheit und ruft ein in Vergessenheit geratenes Wort in Erinnerung. Andererseits will der Begriff auch in seiner modernen Verwendung verstanden sein: als ein Hinweis auf geistiges Gemeingut. Die Kultur ist ein solch gemeinschaftliches Gut.

Ebenso verweist der Begriff auf die »poetischen Orte«, welche die KünstlerInnen während der heurigen TENDAYS gestaltet haben: denn sie befinden sich allesamt im öffentlichen Raum und sind demnach für die gesamte Region zugänglich und verfügbar.

Kunst als gemeinschaftliches geistiges Eigentum zu verstehen bedingt den Zugang zu dieser. Dieser Zugang wird geschaffen, wenn Künstler ortsspezifisch und im öffentlichen Raum tätig sind und sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen und sich ihr aussetzen.

 

In Pischelsdorf gab es nicht nur die materielle Allmende auf dem Harriegel. Bis in die1980er Jahre gab es den so genannten »Hand- und Zugdienst«, landläufig bekannt als »Robot«.

Der Robot war ein Tag im Jahr, an dem alle Mitglieder der Gemeinde für die Gemeinde arbeiteten. Es wurden Dächer repariert, die bei Hagelschäden kaputt gegangen waren und dergleichen mehr; am Robot leistete man Dienst an der Gemeinschaft, jedes Jahr, was gerade anlag.

Wer nicht Zeit hatte an diesem Tag mitzuhelfen, zahlte einen finanziellen Beitrag.

Der poetische Ort Harriegel, auf welchem früher Streuobst wuchs – alte Sorten tiefwurzelnder Birnbäume, welche Hangrutschungen vermeiden sollten –,

in den letzten Jahren Theateraufführungen, Oster- und Sonnwendfeuer stattfanden und einige Jahre ein Schilift installiert war,

soll 2013, 400 Jahre nach der ersten Eintragung des alten Bauernhauses darauf, zum Nachdenken und Wiedererlernen des Begriffs ALLMENDE dienen.